Bauen mit dem Baustoff Holz

Holz ist der älteste Baustoff der Menschheit. Lange bevor die Menschen die Wälder als Brennstoff für die Herstellung von Mauerziegeln zu nutzen vermochten, wohnten alle Menschen in Häusern aus Holz. Einige der ältesten, erhaltenen Gebäude der Welt sind aus Holz gebaut. So zum Beispiel der tibetanische Gebetstempel Horyu-ji in Japan aus dem 7. Jahrhundert, die Stabkirche Borgund in Norwegen aus dem 12. Jahrhundert oder der alte Kornspeicher in Kirchwerder, Hamburgs ältestes Wirtschaftsgebäude aus dem Jahr 1535. Es gibt zahlreiche Beispiele dieser Art, die zeigen, wie haltbar und beständig Gebäude aus dem Baumaterial Holz sein können.

ein ökologisches Holzhaus im Winter

Normalerweise führen Holzhausarchitekten und Holzhausplaner an dieser Stelle alle allseits bekannten Vorzüge und Vorteile auf, die der Holzbau zu bieten hat - nachwachsender Rohstoff, kurze Bauzeiten, hoher Grad der Vorfertigung usw. Ich möchte an dieser Stelle nicht potenzielle Bauherren von der Holzbauweise überzeugen. Vielmehr geht es mir darum, interessierte Leser auf wichtige Details aufmerksam zu machen, die für die Qualität und die Langlebigkeit eines Holzhauses entscheidend sind.

Wer noch etwas mehr über die bestimmt bereits bekannten Vorzüge des Holzrahmenbaus im Vergleich zu Massivbauweisen in Hebel oder Ytong erfahren möchte, den verweise ich gern auf meinen Downloadbereich. Hier habe ich interessierten Lesern einige Unterlagen zu diesem Thema zusammengestellt.

Ein langlebiges Haus ist dampfdiffusionsoffen!

Zurück zu unseren Kulturdenkmälern aus Holz. Alle historischen Holzhäuser haben etwas gemeinsam: Sie sind "dampfdiffusionsoffen" erbaut. Das heißt, dass Feuchtigkeit, die durch die Nutzung im Gebäudeinneren entsteht, durch den Wand- und Dachaufbau des Gebäudes ausdiffundieren - entweichen - kann. So wird vermieden, dass durch Kondensatbildung Schäden entstehen können. Dies ist auch der Grund, weshalb aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg mehr Holzhäuser erhalten sind als aus der Zeit der 60iger, 70iger und 80iger Jahre - also der Blütezeit der Fertighausindustrie.

Was haben die Fertighausbauer dieser Epoche falsch gemacht, dass so wenige Holzhäuser aus diesen Jahren der Nachwelt erhalten geblieben sind?

ökologischer Holzhausbau - Traufuntersicht in Naturholz

Dieses Phänomen hängt eng mit der Erfindung der Kunststofffolie und ihrem Einzug in den Holzhausbau zusammen. Die Industrie war (und ist zum Teil noch heute) der Auffassung, dass durch den Einsatz von dampfdiffusionsdichten Kunststoffbahnen die Wohnfeuchte aus dem Gebäudeinneren daran gehindert werden kann, in den Holzbau einzudringen und dort Feuchteschäden zu erzeugen. Zudem ist jahrzehntelang von dem Ideal einer dampfdichten, nahtlosen und fehlerfreien Verarbeitung dieser Dichtungsbahnen ausgegangen worden. Diese Annahme hat auch dazu geführt, dass sich in Verbindung des dampfdichten Aufbaus der Holzbauelemente mineralische Dämmstoffe (Glas-, Stein- oder Mineralwolle) durchsetzen konnten, obwohl diese für den Holzbau ein gewisses Risiko darstellten. Denn ihre Fasern sind nicht in der Lage, Feuchtigkeit aufzunehmen oder abzugeben.

Sie können sich sicherlich selbst vorstellen, was mit den Fertighäusern aus der "Gründerzeit" der Fertighausindustrie passierte: die Folien ermüdeten mit der Zeit, Teils durch das Arbeiten des Holzhauses, teils durch mangelnde Elastizität (durch Verflüchtigung der Weichmacher des Materials), teils waren die Folien nicht korrekt verarbeitet. Jedenfalls drang Feuchtigkeit in den Wandaufbau ein und die mineralische Dämmung konnte das Kondenswasser nicht aufnehmen, es tropfte somit in den Schwellbereich der Holzkonstruktion und das Haus zerstörte sich quasi "durch das Bewohnen" im Laufe weniger Jahre wie von selbst. Hierzu eines der vielen Beispiele zu diesem Thema!

Um diese Schadensbilder zu vermeiden, sollte der Aufbau der Außenhülle Ihres Hauses unbedingt dampfdiffusionsoffen ausgebildet sein.

Falls Sie sich mit diesem Thema etwas wissenschaftlicher beschäftigen wollen, rate ich Ihnen zu dieser Lektüre Bauphysikstudie von MOLL. Um die Dampfdiffusionsoffenheit zu gewährleisten, ist der Einsatz von Naturfaserdämmung obligatorisch. Nur natürliche Fasern sind in der Lage, Feuchtigkeit so in sich aufzunehmen und zu speichern, dass die Bildung von bauteilgefährdendem Kondensat - fachgerechte Verarbeitung vorausgesetzt - verhindert wird.

Ein gesundes Haus ist naturfasergedämmt!

Genau wie die Dampfdiffusionsoffenheit für die Langlebigkeit und Wertbeständigkeit des Hauses entscheidend ist, ist es die Naturfaserdämmung für die Wohngesundheit und das Raumklima. Dabei kommt es weniger darauf an, ob die Faser aus Holz, Flachs, Stroh oder aus Papier ist - Hauptsache sie ist von organischer Natur. Die positiven Eigenschaften natürlicher Faserdämmung für die Wohnqualität sind sehr vielfältig. Die Naturfaserdämmung ermöglicht uns einen dampfdiffusionsoffenen Bauelementaufbau, da ihre Fasern in der Lage sind Feuchtigkeit zu absorbieren und bei Bedarf wieder abzugeben. Das bedeutet, dass die Bauelemente eine feuchtigkeitsregulierende Wirkung auf die Innenräume des Hauses besitzen. Die während eines feuchten Sommers in den Bauelementen eines dampfdiffusionsoffenen Holzhauses eingedrungene Feuchtigkeit, wird während der Heizperiode im Winter größtenteils nach außen wieder freigesetzt. Ein wesentlich geringerer Teil der Feuchtigkeit wandert zurück ins Gebäudeinnere und wirkt hier der Austrocknung der Raumluft durch die Heizungswärme entgegen. Ein dampfdiffusionsoffenes Holzhaus mit Naturfaserdämmung ist je nach Größe in der Lage 5.000-10.000 Liter Feuchtigkeit zu speichern (bei ca. 100 qm verbaute Holzbauelemente inkl. Dämmung und Holzfeuchtedifferenz zwischen Sommer und Winter ca. 5% = 5.000 Liter). Auf diese Weise bleibt auch im Winter die Luftfeuchte in den Wohnräumen bei angenehmen 40-50%.

Holzbauweise im Detail - Außenwandkonstruktion im Model

Im Sommer, wenn die Außenluft wieder an Feuchtigkeit zunimmt und der Feuchtespeicher des dampfdiffusionsoffenen Holzhauses wieder aufgeladen wird, kommt ein anderer Vorteil der Naturfaserdämmung zum Tragen. Naturfasern sorgen für eine Phasenverschiebung bei der Wärmedurchdringung der Sonnenenergie. Scheint die sommerliche Sonne in einem steilen Winkel auf die Wand- oder Dachflächen des Hauses, sorgt die Naturfaserdämmung für eine zeitliche Verzögerung der Erwärmung der Innenseiten der Bauteile. Diese Verzögerung beträgt bei einem 30 cm dicken Dämmpaket aus Naturfasern ca. 14 Stunden. Erst nach dieser Zeitspanne würde sich die Innenseite des Wand- oder Dachaufbaus um 1°C erwärmen. Da die Sonne "wandert", ist sie, gehindert durch die Naturfaserdämmung, nicht mehr in der Lage, das Holzhaus zu überhitzen. Da weder das Holz noch die Naturfaserdämmung in der Lage sind, die durch die Sonne eingebrachte Wärme länger als ca. 12 Stunden zu speichern, ist das Holzhaus am nächsten Morgen wieder frisch und angenehm kühl.

Ein energetisches Haus ist aus Holz!

Keine Bauweise eignet sich besser für den Bau von hochwärmegedämmten, energetischen Häusern als der Holzrahmenbau. Nur mithilfe dieser Bauweise - mit tragenden Konstruktionshölzern und Dämmmaterial in einer Bauteilebene - lassen sich so schlanke, platzsparende Wandaufbaudicken realisieren, dass sich damit selbst Passivhäuser und Null-Energiehäuser wirtschaftlich realisieren lassen.

81fünf Holzhauspartner richtet ein Holzhaus in Norddeutschland

Da der Aufbau von Dachelementen und Außenwänden im Holzrahmenbau aus vielen Schichten besteht (6-9 Schichten sind die Regel) verwundert es nicht, dass eine unüberschaubare Anzahl von unterschiedlichen Wandaufbauten am Markt existieren. Und ebenso ist es nicht verwunderlich, dass jeder größerer Holzhausanbieter für die einzigartigen Eigenschaften seines eigenen Wandkonzepte und den damit verbundenen Alleinstellungsmerkmalen wirbt.

Eine kleine Übersicht der daraus resultierenden Vielzahl unterschiedlicher Holzhaus- bzw. Energiekonzepte können Sie bei Wikipedia unter den Stichwort Baukonzepte  nachschlagen.

Ein viel wichtigerer Aspekt des Holzbaus, der sich jedoch schwer vermarkten lässt, ist die Konstruktion und Ausführung der Elementeverbindungen (Sockeldetails, Dach-Wand-Verbindungen, Fensteranschläge, Gebäudeecken usw.). Denn die Qualität Ihres Holzhauses wird nicht durch den individuellen Wand- oder Dachaufbau bestimmt – Dampfdiffusionsoffenheit und Naturfaserdämmung vorausgesetzt – sondern durch die Verbindungen dieser Bauteile miteinander. Kältebrücken und Luftleckagen entstehen eben nicht in der Fläche, sondern in den Knotenpunkten der Bauteile.

Hier kommt es darauf an, dass die Details gut überlegt, durchkonstruiert, dokumentiert und ausgeführt werden.

Nur erfahrene Fachbetriebe bauen wertbeständige Häuser

Deshalb sollte der Auftrag für die Errichtung eines hochwertigen Holzhauses mit den oben genannten Eigenschaften nur an einem Zimmereibetrieb vergeben werden, der sich Güteüberwachen lässt und Mitglied eines Qualitätsnetzwerkes ist. Das Unternehmen, welches mit der Durchführung der Holzbauarbeiten beauftragt wird, muss den Zugriff auf zertifizierte und gut dokumentierte Regeldetails besitzen, was durch die Mitgliedschaft in einem Qualitätsnetzwerk gewährleistet ist. Durch die Güteüberwachung wird der Betrieb bei der Umsetzung der vorgegebenen Details im Zuge der Fertigung und der Montage überwacht.

81fünf-Logo in FarbeIch beauftrage bereits seit einigen Jahren ausnahmslos bei 81FÜNF organisierte Holzbauunternehmen mit den Bauhauptgewerken (mindestens bis zur Ausbaustufe wind- und regendichte Gebäudehülle). Im Rahmen der 81FÜNF-Gruppe arbeiten Architekten, Holzhausanbieter und Haustechnikunternehmen gemeinsam nach einem einheitlichen, zertifizierten Holzhauskonzept, bestehend aus Regeldetails und bewährten haustechnischen Systemen. Durch die gewerkeübergreifende Durchdringung des Holzhauskonzeptes arbeiten alle am Bau beteiligten Betriebe nach denselben konzeptionellen Vorgaben. Die Dokumentation des Gebäudes ist dadurch lückenlos gewährleistet und in der Bauleitungsphase gibt es keine bösen Überraschungen. Dies erleichtert die Bauleitung erheblich und sichert den Bauherren projektübergreifende und qualitativ hochwertige Eigenschaften in Bezug auf Feuchtigkeitsschutz, Langlebigkeit, Wertbeständigkeit, Wohngesundheit und Nachhaltigkeit.